Der diesjährige Tag des offenen Denkmals stand bundesweit unter dem Motto „NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur – Historische Bauten, die uns bewegen und verbinden“. Der Gasthof Stern in Zusmarshausen zählt nach neuesten Untersuchungen zu den ältesten Gebäuden in der Marktgemeinde. Das Gebäude stand 10 Jahre lang leer, hat aber heute noch einen festen Platz in der Erinnerung vieler Bürgerinnen und Bürger, die hier Familienfeste feierten oder am Stammtisch philosophierten – dem vorgegebenen Motto konnte also mit diesem besonderen Objekt voll und ganz entsprochen werden.
Tatsächlich war das Interesse groß und die beiden Führungen durch den Bauherrn Alfred Hegele waren rasch ausgebucht. Bevor es aber ins Gebäude ging, erläuterte Kreisheimatpflegerin Dr. Claudia Ried den hohen Stellenwert des Denkmalschutzes und die Gemeindearchivarin Angela Schlenkrich setzte einige wichtige Schlaglichter zur Geschichte des Gebäudes und zu den Wirten des Stern. Der heutige Bau steht an der Stelle eines Vorgängerbaus aus dem Spätmittelalter, von dem sich ein Gewölbekeller erhalten hat. Der Dachstuhl aus dem Jahr 1607 verweist auf die Zeit kurz vor dem Dreißigjährigen Krieg.
Im Mittelpunkt stand aber ein Rundgang mit Alfred Hegele, der nach einem Jahr intensiver Sanierungsarbeiten lebendig und detailreich von seinen Erfahrungen erzählen konnte. Immer wieder lobte er seine positiven Erfahrungen mit der Denkmalpflege und den beteiligten Behörden, nicht zuletzt die finanzielle Förderung für sein Vorhaben. An vielen Stellen war angesichts der derzeitigen Sanierungen das alte Fachwerk von 1607 sichtbar, Reste früherer Wandbemalungen vermittelten einen Eindruck vom früheren Aussehen der Räume. Aber auch die notwendige Technik hat inzwischen Einzug gehalten, um einen Gastbetrieb nach modernen Vorgaben zu ermöglichen.
Besondere Momente bei der Renovierung waren die Entdeckung eines Flaschenzuges, mit dem die Abtrennung zum Nebenzimmer heute noch abgesenkt werden kann, oder eine vermauerte Schutz-Madonna in einem der Schlafzimmer im ersten Stock. „Vielleicht ist es dieser Madonna zu verdanken, dass das Gebäude heute noch steht“, mutmaßte Alfred Hegele mit einem Augenzwinkern. Trotz der großen Leidenschaft für diese Sanierung verschwieg er aber auch die Schwierigkeiten bei der Renovierung eines so alten Gebäudes nicht.
Die Renovierung soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Spontan wurde bereits ein Besichtigungstermin für den Tag des offenen Denkmals 2027 ausgemacht, bei dem Interessierte dann das Ergebnis mit bis dahin schon eingespielter Bewirtung besichtigen können.