Meldung vom 23.06.2020 10:40:12
Kulturspuren im Markt Zusmarshausen

Das Augsburger Land wurde vor rund 7.000 Jahren besiedelt. Im Laufe dieser Zeit hat der Mensch die Landschaft verändert und seinen Bedürfnissen angepasst. Es entstand eine einzigartige Kulturlandschaft, deren Spuren noch heute deutlich zu sehen sind.

Damit diese Kulturspuren für die Menschen im Landkreis erlebbar gemacht werden können und ins Bewusstsein gerückt werden, hat der Landkreis Augsburg im April 2018 ein LEADER-Kooperationsprojekt mit dem Lehrstuhl für Humangeographie und Transformationsforschung unter der Leitung von PD Dr. Markus Hilpert ins Leben gerufen. Insgesamt wurden dabei mehr als 600 historische Kulturlandschaftselemente entdeckt und wissenschaftlich aufbereitet.

Seit Anfang Mai informieren Schautafeln auf die 15 interessantesten Spuren im Landkreis Augsburg. „Ich freue mich ganz besonders, dass gleich zwei davon im Markt Zusmarshausen zu finden sind“, so Bürgermeister Bernhard Uhl. „Unsere Marktgemeinde hat eine reiche Geschichte: so wurde Zusmarshausen erstmals bereits   892 urkundlich von König Arnulf erwähnt und der Fund eines Faustkeils aus der Altsteinzeit ist Zeugnisse einer sehr frühen Besiedlung.

Eine der beiden Tafeln weist auf das bäuerliche Wirtschaften frühere Zeiten hin, wodurch die Ackertrassen bei Steinekirch entstanden sind. Die Trassen entstanden aus der Notwendigkeit heraus, auch auf Hängen landwirtschaftliche Anbauflächen zu schaffen. Durch hangparalleles Pflügen wurde Boden verlagert und mit der Zeit entstanden steile Hangstufen und flache Ackerflächen, die einfacher zu bewirtschaften waren. Oftmals dauerte diese Entwicklung mehrere Jahrhunderte. Die wenigen heute noch erhaltenen Trassen sind schützenswerte Zeugnisse des menschlichen Eingriffs in die Landschaft. Eine davon ist in Steinekirch zu sehen.
Foto "Tafel bei Ackertrassen in Steinekirch"

 

Die zweite Tafel beschäftigt sich mit der Wollbacher Mühle, die erstmals urkundlich im Jahr 1147 als „Wollbachmühle“ erwähnt wurde und im Laufe der Jahrhunderte mehrere wechselnde Besitzer hatte. Gemahlen wurde Roggen und Hafer. Zur Getreidemühle gehörte auch eine Sägemühle und Ölmühle. Die Getreidemühle in Wollbach diente lange Zeit für die Grundversorgung im Ort und wurde 1970 stillgelegt.

Im Jahr 1999 renovierte der Krieger- und Soldatenverein Wollbach mit vielen freiwilligen Helfern das eindrucksvolle Mühlrad. Vorsitzender von ReAL West e.V.  und stellv. Landrat Hubert Kraus, der damals Vorsitzender des Vereins war, berichtet von seinen gemeinsamen Recherchen mit Josef Reitmayer zur jüngeren Geschichte der Wollbacher Mühle und den Erzählungen des Zeitzeugen Xaver Steppich: „Das Mühl- bzw. Wasserrad stammt aus Hayingen im Lautertal (Württemberg) und wurde im Juli 1940 an der Mühle Wollbach eingebaut. Der damals 14-jährige Xaver Steppich hat das Rad mit einem Lanz-Traktor auf zwei Hängern verteilt von dort aus nach Wollbach transportiert. Das Mühlrad, das an der Lauter bereits im Einsatz war hatte demontiert zum Abtransport bereit gelegen. Wegen der Mobilmachung im Jahr 1940, bei der alle Männer über 30 Jahre zum Frankreich-Feldzug eingezogen waren, war Xaver Steppich der einzige im Ort, der als Fahrer zur Verfügung stand. Auch das Traktoren-Gespann war noch als einziges Gefährt übriggeblieben – alle anderen Fahrzeuge waren ebenfalls vom Militär beschlagnahmt worden.“
Foto "Tafel vor der Mühle Wollbach"

 

Zu allen 15 Infotafeln gibt es zusätzlich auch Infoflyer. Alle 60 Kulturspuren, die im Rahmen des LEADER-Projekts zusammengetragen wurden und besonders sehenswert sind, sind in einer großen Landkreiskarte zu finden. All diese Informationen finden Sie auch unter Sämtliche Flyer sind auf der Homepage des Landkreises zu finden:
https://www.landkreis-augsburg.de/leben-im-landkreis/urlaub-freizeit-kultur/kultur-und-heimatpflege/kulturspuren-im-landkreis-augsburg/

Sämtliche erfassten historische Kulturlandschaftselemente werden in einem Katalog veröffentlicht, der demnächst ebenfalls unter dem o.g. Link zu finden ist.   

 

Bei der Erstellung der Tafeln und der Angaben im Katalog wurden auch die betroffenen Gemeinden mit einbezogen. Ortskundige Personen aus allen Ortsteilen haben sich bereit erklärt, die jeweiligen Angaben vor Ort zu überprüfen. Ich danke allen ganz herzlich dafür.

 

Bernhard Uhl

Erster Bürgermeister 

 

 

 

Foto bei Mühle Wollbach

Von links: Bürgermeister Bernhard Uhl, Vorsitzender von ReAL West e.V. Hubert Kraus und PD Dr. Markus Hilpert vom Lehrstuhl für Humangeographie und Transformations-forschung bei der Tafel vor der Mühle in Wollbach

 

Foto bei den Ackerterrassen in Steinekirch

Von links: PD Dr. Markus Hilpert vom Lehrstuhl für Humangeographie und Transformationsforschung, ReAL West-Vorsitzender Hubert Kraus und Bürgermeister Bernhard vor der Tafel inmitten der Ackertrassen in Steinekirch

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